MONNEM PRIDE 2026 II
- Alexander Kästel

- vor 13 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Bühne und Fest auf dem Alten Meßplatz
Auf der Bühne war den ganzen Nachmittag Bewegung. Unsere Schirmsche, Bürgermeister Thorsten Riehle und sein Mann Markus Schwarz-Riehle, eröffneten die Veranstaltung auf dem Alten Meßplatz. Bürgermeister Dirk Grunert richtete anschließend als Vertreter der Stadt Mannheim sein Grußwort an die Besucher*innen. Es folgten Redebeiträge der Monnem Pride, des Queeren Zentrums Mannheim (QZM), von PLUS Rhein-Neckar e. V., des Migrationsbeirats Mannheim, des Queerfem Kollektivs, von Gay & Grey, der Initiative Bezahlkarte stoppen, des Offenen Antifaschistischen Treffens Mannheim (OAT), von Schwester Christine – Ordensschwester der Perpetuellen Indulgenz – sowie weiterer engagierter Menschen aus der Community.Drag-Performances von Davina Lover und JonaThem, DJ-Sets von Miss Onyx & Sally Fish sowie die musikalischen Auftritte von Purple Suggar, Nikra, Justin Hayo, Satarii, Grace the Floor, Rot.Ton, Shayma und gianni machten deutlich, worum es an diesem Tag ging: Sichtbarkeit. Solidarität. Zusammenhalt. Jede Rede, jeder Auftritt war dringlich. Jede auf ihre eigene Weise bewegend. Das Tag brauchte keine künstliche Dramaturgie, seine Dringlichkeit entstand aus der Wirklichkeit, über die gesprochen und die dargestellt wurde.
Empowernder hätte es kaum sein können. Selbst Ikimel oder Baran Kok hätten das vermutlich nicht getoppt. Wobei – falls ihr das hier zufällig lest: Beim nächsten Monnem Pride 2027 seid ihr als Benefiz- und Soli-Act natürlich herzlich eingeladen.
Spaß beiseite.
Alle Menschen auf dieser Bühne – und ich hoffe, ihr könnt das später auch auf meinen Bildern sehen – haben an diesem Nachmittag ihr Herz ausgeschüttet. Manche stehen scheinbar mühelos vor hunderten Menschen. Echte „Rampensäue“ eben. Andere kämpfen tapfer gegen den berühmten Kloß im Hals an. Ich gehöre definitiv zur zweiten Gruppe.

Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, trotz dieser Angst auf die Bühne zu gehen. Und genau deshalb brauchen diese Menschen etwas, das oft viel zu selbstverständlich erscheint:
Euch.
Künstler*innen wissen meistens sehr genau, warum sie tun, was sie tun.
Was ihnen oft fehlt, ist nicht Leidenschaft.
Sondern Rückhalt.
Folgt ihnen. Teilt ihre Arbeit. Applaudiert. Schreibt eine Bewertung. Erzählt anderen von ihnen. Und wenn ihr es euch leisten könnt: Unterstützt sie finanziell. Unterstützt die Monnem Pride. Unterstützt das QZM. Unterstützt die vielen Vereine, Initiativen und Ehrenamtlichen, die solche Tage überhaupt erst möglich machen.
Anerkennung ist schön.
Wertschätzung trägt.
Doch Unterstützung macht den Unterschied.
Denn hinter jeder Bühne stehen Menschen, die oft monatelang ehrenamtlich planen, organisieren, telefonieren, Förderanträge schreiben, Technik koordinieren, Awareness-Strukturen aufbauen und Probleme lösen, von denen die meisten Besucher*innen nie etwas mitbekommen. In Zeiten knapper Haushalte und gekürzter Fördermittel dürfen wir diese Strukturen nicht als selbstverständlich betrachten. Sie sind das Fundament queerer Sichtbarkeit.
Wenn wir sie verlieren,
verlieren wir weit mehr als ein Straßenfest.
Wir verlieren Begegnungsorte.
Wir verlieren Schutzräume.
Wir verlieren Orte,
an denen junge Menschen
zum ersten Mal erleben,
dass sie nicht allein sind.
Genau deshalb müssen wir sie gemeinsam tragen.
Nicht irgendwann.
Jetzt.
Nicht irgendwer.
Du!
Noch etwas sehr Persönliches: Seit drei Jahren begegne ich auf dem Monnem Pride immer wieder denselben zwei Frauen. Eigentlich müsste ich sagen: Sie begegnen meiner Kamera. Denn noch bevor wir jemals ein Wort miteinander gesprochen haben, waren sie längst Teil meiner Erinnerung geworden.
Was sie ausstrahlen, lässt sich nur schwer beschreiben. Es ist nicht ihre Schönheit. Nicht ihre Kleidung. Nicht die perfekte Pose. Es ist ihre Selbstverständlichkeit.
Die Art, wie sie sich ansehen.
Wie sie sich berühren.
Wie sie einander zuhören.
Wie sie sich küssen, ohne sich erklären zu müssen, ohne sich hervorzuheben.
Vor drei Jahren habe ich sie zum ersten Mal fotografiert. Ganz spontan. Sie wussten nichts davon. Später fanden sie die Bilder hier auf meiner Webseite und in den sozialen Medien. Ein Jahr später begegneten wir uns wieder. Wieder entstanden Bilder voller Nähe und Zärtlichkeit.
Und dieses Jahr kamen sie einfach auf mich zu.
„Kennst du uns noch?“
Ob ich sie kenne?
Hallo?! Ich hatte euch gefühlt schon den halben Tag vermisst.
Es gibt Menschen, die hinterlassen Spuren.
Nicht, weil sie laut sind.
Sondern weil sie etwas ausstrahlen, das in unserer Zeit viel zu selten geworden ist.
Geborgenheit.
Vertrauen.
Frieden.
Als Fotograf denke ich in Bildern. Manchmal verschwinden welche wenige Sekunden nach dem Auslösen wieder aus meinem Kopf. Andere bleiben.
Nicht wegen ihrer technischen Perfektion.
Sondern weil sie etwas zeigen, das größer ist als das Bild selbst.
Ihr beide gehört dazu.
Ihr erinnert mich daran, warum ich Menschen fotografiere.
Warum ich trotz allem immer wieder an sie glaube.
Warum ich mich nicht längst – wie so viele andere Fotograf*innen vor mir – von ihnen abgewandt habe. Zwischen all den Schlagzeilen, dem Hass und der Lautstärke unserer Zeit seid ihr für mich ein Gegenbild. Kein perfektes. Sondern ein echtes.
Vielleicht fotografiere ich genau deshalb so gern auf dem Pride. Weil ich dort jedes Jahr Menschen begegne, die mir zeigen, dass Liebe nicht laut sein muss, um sichtbar zu sein, dass Liebe keine Bedingung und kein Tauschhandel ist, sondern dass sie Bedingungslos ist.
Schenkt uns mehr von diesen Momenten. Mehr solcher Begegnungen. Mehr von dieser Selbstverständlichkeit. Wir brauchen sie.
Dringender denn je.
Vielleicht beginnt Veränderung genau dort.
In einem Blick.
In einer Berührung.
In zwei Menschen, die sich trauen, einander zu lieben. Happy Pride!
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REZENSIONEN 15
5,0 * * * * *
Alle 454 Aufnahmen vom Straßenfest der Monnem Pride am Samstag, den 11. Juli 2026. Viel Freude daran.















































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































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