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MONNEM PRIDE 2026

  • Autorenbild: Alexander  Kästel
    Alexander Kästel
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Sommer. Über dreißig Grad. Mannheim wird bunt.

 

Zum ersten Mal trägt der Monnem Pride keine Schirmherrschaft mehr. Statt dieses sperrigen Wortes gibt es eine SCHIRMSCHE – Monnemer Dialekt statt Amtsdeutsch. Keine Herrschaft. Sondern Nähe. Humor. Offenheit. Genau so sollte Pride sein.Zum ersten Mal zieht eine riesige Regenbogenflagge durch die Straßen. Sie nimmt sich symbolisch den Platz, der allen Menschen gleichermaßen zusteht – und der queeren Menschen bis heute immer wieder genommen wird.

 

Warum sind wir laut?

Warum sind wir bunt?

Weil der erste Pride ein Aufstand war.

The first Pride was a riot.

 

Stonewall begann nicht mit einer Parade. Stonewall begann mit Menschen, die sich weigerten, weiter in Angst zu leben. Trans* Personen, Schwarze Menschen, Latinx, Drag Queens, Lesben und Schwule widersetzten sich Polizeigewalt, staatlicher Willkür und einer Gesellschaft, die sie lieber unsichtbar gesehen hätte.

 

Sie nahmen sich die Straße.

Nicht aus Freude an der Provokation.

Sondern weil sie keine andere Wahl mehr hatten.

 

Seitdem haben Generationen für die Rechte gekämpft, die viele von uns heute als selbstverständlich empfinden.

Doch selbstverständlich ist davon nichts.

 

Vor wenigen Wochen war ich auf dem CSD in Dresden.

Dort ist spürbar, was auf dem Spiel steht. Antifaschistische Botschaften sind keine Randnotiz. Sie sind überall. Auf Transparenten. Auf Schildern. Auf T-Shirts. In Gesprächen. Nicht, weil Menschen besonders politisch sein wollen – sondern weil sie es sein müssen.

 

Wer in Dresden queer lebt, weiß, dass Sichtbarkeit Mut kostet. Nicht provozierende Blicke allein. Sondern Beschimpfungen, Bedrohungen, Übergriffe und körperliche Gewalt. Die Angst ist für viele kein Gefühl. Sie gehört zum Alltag.

 

Mannheim trägt sein Motto deshalb zu Recht:

 

ZUSAMMEN EINS.

INTERSEKTIONAL.

ANTIFASCHISTISCH.

QUEER.

 

Der antifaschistische Block wächst von Jahr zu Jahr. Das macht Hoffnung.Und doch wünsche ich mir noch mehr.

 

Mehr Solidarität.

Mehr gemeinsames Handeln.

Mehr Menschen, die ihre eigene Bubble verlassen.

 

Denn Demokratiefeinde greifen nie nur eine einzige Gruppe an. Heute sind es queere Menschen. Morgen Jüd*innen. Muslim*innen. Geflüchtete. Menschen mit Behinderung. Schwarze Menschen. Am Ende alle, die nicht in ihr faschistisches Weltbild passen.

 

Unsere Antwort darauf kann nur eine sein:

Solidarität.

Nicht selektiv.

Nicht nur für die Menschen, die uns ähnlich sind.

Sondern füreinander.

 

Am Rand des Prides standen drei Jugendliche.

Einer trug einen AfD-Aufkleber auf seiner Kappe.

Ein anderer ein Lonsdale-Shirt.

 

Sie zerrissen demonstrativ Regenbogenflaggen.

Das war die einzige Störung, die ich an diesem Tag wahrnahm.

 

Was mich beschäftigt, ist nicht ihre Provokation.

Sondern ihr Alter. Sie sind kaum älter als Kinder.

Ich kenne diese Gesichter.

 

Ich sehe sie in Dresden.

Ich habe sie schon in den 1990er Jahren gesehen.

 

Damals waren es ihre Eltern.

Heute sind sie es selbst.

 

Wir dürfen diese Jugendlichen nicht einfach abschreiben.

Hass entsteht nicht von allein.

Er wird gelernt.

 

Und genau deshalb trägt unsere Gesellschaft Verantwortung.

 

Wenn wir jungen Menschen demokratische Räume überlassen, werden sie Demokratie lernen.

 

Wenn wir sie den Feindbildern und einfachen Antworten der extremen Rechten überlassen, werden andere sie prägen.

 

Diese Entscheidung liegt bei uns.

Nicht irgendwann.

Jetzt.

 

Ich bin Künstler.

Meine Aufgabe ist es nicht, Antworten zu geben.

Meine Aufgabe ist es, auf die Wunden zu zeigen, die wir lieber übersehen würden.

 

Deshalb fotografiere ich.

Deshalb schreibe ich.

Deshalb gehe ich auf die Straße.

Nicht nur für queere Menschen.

Sondern für eine Gesellschaft, in der niemand Angst haben muss, sie, they, er selbst zu sein.

 

Wir als queere Community schaffen das nicht allein.

Wir brauchen euch.

Alle.

 

Alle, die an Demokratie glauben.

Alle, die Menschenwürde verteidigen.

Alle, die nicht wollen, dass Hass wieder zur gesellschaftlichen Normalität wird.

 

Pride war nie nur eine Feier.

Pride war immer ein Versprechen.

Das Versprechen, füreinander einzustehen.

Lasst uns dieses Versprechen halten.

 

Nicht nur heute.

Sondern jeden Tag. Demokratie ist kein Zustand. Sie ist eine tägliche Entscheidung. Solidarität auch.

 

Happy Pride!



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2 Kommentare

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katjas-onlinewege
vor 2 Tagen
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Tausend Dank für die schönen Eindrücke!

Und ein ganz herzliches Danke an alle, die in dieser Hitze, so viel Energie und Zeit investiert haben, um die Welt ein wenig bunter zu machen.

Gemeint sind alle Helfende und alle Besucher*innen, die gemeinsam dafür sorgen, daß wir eine gute Zeit verbringen können.

... und daß für alle sichtbar ist, daß wir nicht alleine sind.

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c.fontagnier
vor 2 Tagen
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Ja mir war es auch viel heiß, aber Solidarität zu zeigen, das Du auch von den vielen wunderbaren Menschen wiedermal in wunderschönen Bilder und Worte verewigt hast, ist mir Pflicht und Kür gleichermaßen!

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