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PROJEKTE

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Judith Urmes

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JAHRESGABE 24/25

Projektart

Fotografie

Datum

2024 bis 2025

Standort

Mannheim

Alexander Kästel präsentiert mit seiner Jahresgabe „Kantate“ ein Beispiel für zeitgenössische Fotografie als künstlerischen Ausdruck. Die Edition umfasst 70 nummerierte und signierte Drucke auf 500 g Recyclingpapier mit abgerundeten Ecken – von denen aktuell nur noch etwa 20 verfügbar sind. Ein Exemplar kostet ab 30 Euro und dient nicht nur als Dankeschön, sondern als direkte Unterstützung für den freien Künstler.

Die Jahresgabe basiert auf einer einzigen RAW-Datei – analog dem klassischen Negativ – und verweist als Fortführung von Kästels unpublizierter Serie „Mutterland“auf eine technische und ästhetische Kontinuität. Die bewusste Beschränkung aufs Rohmaterial vermittelt Authentizität und Nähe zum handwerklichen Ursprung. Es ist die „reine Fotografie“, die fast ohne digitale Manipulation auskommt und gerade dadurch die Pinselwirkung der visuellen „Fehler“, der Artefakte, besonders kraftvoll wirken lässt – Elemente, die den fotografischen Akt in die Nähe malerischer Gesten rücken.

Der Titel Kantate weckt die Vorstellung von Musik und Struktur: Es ist ein Bild, das komponiert wirkt, mit Tiefe und Schichtung. Die formale Strenge des RAW-Mediums trifft auf poetische Offenheit – dieser Druck beginnt still und wird nach und nach immer ausdrucksstärker. Zwischen dokumentarischer Distanz und innerer Emotionalität. Die auf Recyclingpapier gedruckte, künstlerisch reduzierte Bildkomposition öffnet den Betrachter*innen Raum, für eine innere Aneignung – ähnlich wie in Kästels Arbeiten aus „Mutterland“ und „DÆ/MOKRATIA“.

Mit dem Druck als Jahresgabe baut Kästel auf solidarischer Unterstützung auf: Spender*innen ab 30 Euro erhalten das Kunstwerk, erfahren Wertschätzung und tragen zur Unabhängigkeit des Künstlers bei. Dieser Rahmen schafft nicht nur Nähe zum Rezipienten, sondern etabliert Kunst als realen Raum für Begegnung – persönlich übergeben, was Kästel als „Akt von echter Begegnung“ versteht.

Kantate folgt in Kästels Praxis einer Linie zwischen dokumentarischer Fotografie und bildnerischer Poesie. Die Integration des „Fehlers“, der den fotografischen Charakter malerisch aufbricht, erinnert an die Wabi-Sabi-Ästhetik – Schönheit im Unvollkommenen – und verortet das Werk in einer Fotografie, die gleichzeitig dokumentiert und reflektiert. Wie bei "Mutterland" entsteht ein Spannungsfeld zwischen Identität, Heimat und persönlicher Erinnerung, das seine Ausdruckskraft aus dem einfachen, aber gesteuerten Umgang mit Licht, Zeit und Material bezieht.

Die Jahresgabe 24/25 – gedruckt in limitierter Auflage – ist mehr als ein Bild. Es ist Manifest und Intimität zugleich, technisches Handwerk und poetische Freiheit. Die Arbeit ist Zeugnis einer Fotografie, die sichtbar macht, was uns innerlich bewegt – und dabei die Rolle des Künstlers als moderner Kantor zwischen den Welten empfindet.

KANTATE
„…
Insel umgeben von Zeit.
Helle belagert von Nacht (…)

Die Kunst zu lieben,
ist sie die Kunst zu sterben?
Lieben heißt sterben,
wieder lebendig werden
und wieder sterben.
Liebe ist Lebhaftigkeit.
Ich liebe dich, weil ich sterblich bin
…“

- Octavio Paz -

Kantate als Bild und Gedicht:
Der Titel Kantate verweist nicht nur auf den musikalischen Aufbau des Werks, sondern evoziert eine tiefer liegende innere Bewegung – wie eine Stimme, die sich tastend erhebt, zittert, verklingt. Das Bild entfaltet sich langsam, beinahe still, und wächst doch zu einer kraftvollen Aussage. Es wird zur visuellen Komposition aus Licht und Empfindung – ein Aufbau ohne Lärm, eine Insel im Strom der Zeit.

Im poetischen Dialog mit dem gleichnamigen Gedicht „Kantate“ von Octavio Paz gewinnt die Jahresgabe eine weitere Dimension. Die Zeilen „Insel umgeben von Zeit. Helle belagert von Nacht“ spiegeln sich in Kästels Motiv als visuelle Parabel: eine flüchtige Form, gehalten in Licht und Schatten, umgeben von der Dunkelheit des Nicht-Wissens.

„Die Kunst zu lieben, ist sie die Kunst zu sterben?“
Diese Frage hallt nach in der Fotografie selbst – jenem Medium, das immer auch ein Aufzeichnen von Vergänglichkeit ist. In Kästels Arbeit wird Liebe nicht pathetisch, sondern als Lebhaftigkeit des Blicks greifbar. „Ich liebe dich, weil ich sterblich bin“ – auch das Bild liebt, weil es den Moment nicht festhält, sondern loslässt. Es zeigt nicht das Ewige, sondern das Flackernde, das Verschwinden, das Sich-Zeigen im Auflösen.

So wird die Jahresgabe mehr als eine fotografische Arbeit:
Sie ist ein Zwischenraum – zwischen äußerer Wirklichkeit und innerem Widerhall. Ein Bild, das nicht nur das Sichtbare beschreibt, sondern auch das, was den Künstler im Verborgenen bewegt. Ein Geschenk, das spricht – leise, aber eindringlich – zu allen, die bereit sind, nicht nur zu sehen, sondern auch zu verstehen.

Projektbginn
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