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KANAKENKIND von Luigi Toscano

  • Autorenbild: Alexander  Kästel
    Alexander Kästel
  • vor 4 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit

„Kanakenkind“ als der Port25 erzählte, was hinter einem Titel liegt

 

Luigi Toscano rief – und die breite Stadtgesellschaft kam.
 Der Port war voll, jeder Sitzplatz früh schon vergeben, an allen Wänden und dazwischen standen gespannte Menschen. Viele von ihnen zum ersten Mal im PORT25. Was für eine Wertschätzung, was für ein Gewinn für unsere Stadt.

 

Es war mehr als nur eine Ausstellungseröffnung. Es war ein Abend, der uns alle einlud, hinzusehen, hinzuspüren und vor allem zuzuhören.

 

Neben politischen Größen und Persönlichkeiten aus Gesellschaft, Kunst und Kultur waren die Größten an dem Abend ganz klar die Menschen, die uns in überdimensionalen Schwarz-Weiß-Porträts von den Wänden direkt in die Gesichter schauten. Auch sie waren da – in jedem Blick, in jeder Haltung. Besonders die Aufnahmen der Kleinsten. Ich mag das, wenn Kunst es schafft alles umkehren. Umverteilung ganz in meinem Sinne.

 

„Kanakenkind“ ist ein harter Titel. Genauso hart und menschlich weich zugleich, sind die  Fotografien von Luigi Toscano. Nicht von irgendwelchen Leuten. Nein: Porträts von Menschen, die aus verschiedenen migrantischen Perspektiven erzählen, was es heißt, nicht dazugehörig zu sein, ausgegrenzt oder nur am Rande wahrgenommen zu werden. Wenn ich an diesen Abend denke, sehe ich nicht nur die Gesichter im Raum, sondern auch das Foto der Moderatorin und von Luigi im Gespräch – beide im warmen, konzentrierten Licht des Ports, nebeneinander, Augen, die sich zuwenden, Stimmen, die versuchen zu erklären, zu verbinden. Ein Bild, das sinnbildlich steht für das, was dieser Abend war: offenes Zuhören, gespannte Präsenz, achtsames Miteinander.

 

 

Was mich am Titel „Kanakenkind“ bewegt:

Wie viele von uns, musste auch ich schlucken, als ich zum ersten Mal den Titel hörte.
Doch wenn man versteht, worum es in Luigis Leben, in diesem Buch und in den Fotografien wirklich geht, wird schnell klar:
Hier legt jemand den Finger in eine offene Wunde.


Ich kenne es selbst aus der queeren Szene: Ehemalige Schimpfwörter wurden und werden von denen, die betroffen sind, zurückgenommen, umgenutzt, entwertet, genau denen, die sie zur Abwertung einsetzten, das Narrativ entzogen. „Schwul“ war so ein Wort. Zugegeben, es wird immer noch zur Abwertung genutzt – und zugleich hochgehalten. Selbstbewusst. Stark. Klar. Deutlich.

 

So auch die Kanakenkinder.

Toscano zeigt Menschen, die über strukturelle Ausgrenzung, Rassismus, Gewalt und fehlende Teilhabe sprechen – nicht abstrakt, nicht als Statistik, sondern in ihren Augen, in ihren Gesichtern. Er gibt ihnen ein Gesicht – und damit eine Stimme. Eine starke, laute, individuelle Stimme. Gena darin liegt Luigis Kraft:
Er löst unsere gesellschaftlichen Probleme nicht für uns – aber er zeigt sie uns. Ganz unverkünstelt. Ganz offen. Nahbar. Und immer ganz groß.

Sein Werk lässt sich mit einem Wort beschreiben: menschlich.

 

„Kanakenkind“ ist mehr als eine Autobiografie: es ist ein Zeugnis von Gewalt, Rettung, Erinnerung und Hoffnung. Es erzählt von der Kindheit Luigi Toscanos als Sohn sizilianischer Einwanderer, die Diskriminierung, Vernachlässigung, Gewalt und dem Weg hinaus über die Fotografie.

 

Kanakenkind

Mit der Kamera durch Licht, Dunkelheit und Hoffnung.

Vom Einwandererkind zum Fotografen der Holocaustüberlebenden

Verlag: Herder Verlag, 2026

Seiten: 368 Seiten

Format: Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Leseband

Preis: 30 € (gebunden) / 23,99 € (eBook)

ISBN: 978-3-451-39907-7

 

Das Buch verknüpft Toscanos eigene Lebensgeschichte mit der Suche nach der Identität von Anna Strishkowa (geb. Iwanowa) aus Kiew, die 1943 als Kleinkind von den Deutschen verschleppt und nach Auschwitz deportiert wurde – Fragmente von Identität, Erinnerung und Verlust werden zu einer Reise durch Zeiten und Räume.

 

Im Bookshop des PORT25 ist das Buch ebenfalls erhältlich.

 

Ausstellung „Luigi Toscano. Kanakenkinder“ Termine & Führungen

Vom 28. März bis 14. Juni 2026


Donnerstag, 09. April 2026, 18:00 Uhr – Führung in türkischer Sprache

Sonntag, 19. April 2026, 15:00 Uhr – Führung in deutscher Sprache

Sonntag, 26. April 2026, 15:00 Uhr – Führung in russischer Sprache

Sonntag, 17. Mai 2026, 15:00 Uhr – Führung in deutscher Sprache

Sonntag, 14. Juni 2026, 15:00 Uhr – Abschlussführung in deutscher Sprache

 

PORT25 – Raum für Gegenwartskunst

Hafenstraße 25-27

68159 Mannheim Zur Port25 Webseite: https://www.port25-mannheim.de


Eintritt frei

 

Warum dieser Abend bleibt:

Was für ein Auftakt.
 Was für ein Blick.
 Was für eine Einladung.
 Zu sprechen. Zu hören. Zu verweilen. In einer Zeit, in der die Welt lauter wird und die Menschlichkeit oft leise bleibt, ist das, was Luigi Toscano tut, von unschätzbarem Wert: Er öffnet Räume – für Erinnerung, für Gespräch, für Empathie. Seinem Weg wünsche ich von Herzen all jene Menschlichkeit, die ihm lange verwehrt wurde – möge sie sich füllen und weiterschenken, weit über die eigenen Grenzen hinaus. Denn das Gute vermehrt sich, wenn es richtig eingesetzt wird. Und wir brauchen mehr davon. Solidarisch. Empathisch. Menschlich.


Ein Gefühl von Stolz lag in der Luft, selten so spürbar wie an diesem Abend. Man konnte es in den Gesichtern sehen, in den Augen der Menschen, genauso, wie es auch mir mit meiner Kamera entgegenblickte. 178 Aufnahmen



IN EIGENER SACHE:

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Eine Aufnahme einer Blume von hinten und unten. Sie ist Rosa und hat einen grünen Stiel – der Hintergrund ist diffus nebelig in der selben Farbe der Blütenblätter.

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