NEAR BY – Fritz Stier
- Alexander Kästel

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
im Guckkasten Mannheim, Nähe auf engstem Raum, Kunst mit langem Nachhall.

NEAR BY mit Fritz Stier im Guckkasten ist so eine Ausstellung, die nicht schreit, sondern leise einfach bleibt. Eine Ausstellung über Nähe, Erinnerung und dieses leise Drängen von Bildern, die noch da sind, wenn der Abend längst vorbei ist und man eigentlich schon woanders sein wollte.
Fritz Stier – Biografie,
Ehrlich, kein Schnickschnack
Fritz Stier, Jahrgang 1951, Mannheim. Seit Jahrzehnten eine feste Größe in der Rhein-Neckar-Region, ohne je auf Sockel oder Podest zu steigen. In den späten Siebzigern und Achtzigern mischte er die Szene als Pionier der Video- und Performancekunst auf, gründete den Kunstraum Art Now und schuf einen Ort, an dem Avantgarde nicht nur behauptet, sondern gelebt wurde.
Als künstlerischer Leiter des Kunsthauses und Kunstvereins Viernheim hat Stier unzählige Projekte, Festivals und Ausstellungen initiiert. Kunst ist für ihn nie nur Objekt, sondern immer auch sozialer, politischer Raum. Sein Thema bleibt konstant: der Mensch. Verwundbarkeit, Würde, Sichtbarkeit – und das alles in einer Gegenwart, die vor Bildern platzt und trotzdem so wenig sieht.
Der Guckkasten – kein White Cube,
eher ein ehrlicher Typ
Der Guckkasten in L 14,3 ist kein neutraler Ort. Er ist Schaufenster, Straße, Nachbarschaft. Autos rauschen vorbei, Menschen bleiben stehen, schauen rein oder gehen weiter. Genau hier funktionieren Stiers Arbeiten besonders gut. Sie müssen sich nicht behaupten, sie sind einfach da.
NEAR BY nutzt diesen Ort klug.
Keine Textwüsten, kein kuratorisches Dauererklären. Die Hängung ist fast zurückhaltend, fast beiläufig – und gerade deshalb so stark. Drinnen treffen Bilderwelten aufeinander, draußen treffen sich Blicke. Ein Dialog zwischen zufälligem Vorbeigehen und konzentriertem Sehen.
Gemalte Bildhäute –
Zeit als Mitautor
Die großformatigen Malereien wirken, als hätten sie ein Leben hinter sich - und das haben sie. Zerknittert, aufgeraut, übermalt. Keine glatte Oberfläche, keine falsche Perfektion. Das sind Bildhäute mit Patina. Zeit ist hier kein Thema, sondern Material.
Figuren tauchen auf und ziehen sich wieder zurück: ein Kind im rosa Kleid, Paare, Körper in Bewegung. Sie sind da und zugleich schon auf dem Sprung. Wie Erinnerungen, die man festhalten will – und die genau deshalb verschwimmen. Stiers Malerei erzählt nicht chronologisch. Sie schichtet. Übermalung, Löschung, Spur. Immer wieder diese Frage: Was bleibt, wenn das Bild bricht?
ECHOS – Begegnung mit sich selbst
(und man schaut nicht weg)
Zentral für NEAR BY ist die Videoarbeit ECHOS, erstmals 2025 in der Rudolf-Scharpf-Galerie, dem Projektraum des Wilhelm-Hack-Museums in Ludwigshafen, im Rahmen der Ausstellung „Local Faces“ des Künstlerbundes Rhein-Neckar e.V. gezeigt. Im Guckkasten wird daraus fast eine intime Angelegenheit.
Ein Junge, ein Mädchen. Zehn Jahre Abstand. Sie begegnen sich selbst – ihrem eigenen Alter Ego. Frontal, im Profil, Schwarz-Weiß, reduziert bis aufs Wesentliche. Die Zeit dehnt sich, Kindheit, Jugend und ein mögliches zukünftiges Selbst stehen sich gegenüber. Die Blicke treffen sich, rutschen ab, kommen zurück. Wie ein Echo, das nie exakt so klingt wie das Original. Einfach, klar, ziemlich radikal – und erstaunlich berührend.
NEAR BY –
Gemeinschaft, Gespräche, Nachtlicht
Die Vernissage gestern Abend war genau das, was diese Ausstellung verdient: über sechzig Gäste, Gespräche in alle Richtungen, alte und neue Freund*innen, Weggefährt*innen, Nachbar*innen. Ein dichtes Netz aus Stimmen und liebevollen Begegnungen. Und mittendrin diese Arbeiten, die sich nicht anbiedern. Sie verlangen Zeit. Und Nähe.
Nachts öffnet NEAR BY
noch eine zweite Ebene:
Zwei der drei Videoarbeiten leuchten aus dem Schaufenster ins Quadrat. Ein kleiner, sehr ernst gemeinter Tipp: abends vorbeigehen. Stehen bleiben. Reinschauen. Fritz Stiers Kunst entfaltet ihre Stärke genau dort – leise, beharrlich, menschenfreundlich. Nicht laut. Aber lange wirksam.
NEAR BY – Fritz Stier
guckkasten | L 14,3 | Mannheim
Ausstellung: 16. Januar – 20. Februar 2026
Sonntags geöffnet: 18.1. / 25.1. / 1.2. / 8.2.2026, jeweils 16–19 Uhr
Weitere Termine nach telefonischer Absprache möglich | 0176 61068403 Persönlich von mir ein großer Dank an Katrin und Marek, die den Guckkasten mit so viel Liebe erstellt haben und offen halten.
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