DAS LIEBE MUT BRAUCHT…
- Alexander Kästel

- vor 47 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Nun sitze ich schon wieder an meinem Schreibtisch. Immer noch ohne ausreichend Lebensmittel zu Hause, weil ich gestern erst wieder angekommen bin und noch nicht einmal zum Einkaufen kam. Schon wieder stand ich mit meiner Kamera auf dem Mannheimer Marktplatz. Schon wieder saß ich bis tief in die Nacht an den Bildern. Für meinen Blog. Für UnSocialMedia. Für Erinnerung. Für Aufklärung. Für Sichtbarkeit.

Schon wieder bindet all das meine Kraft.
Und schon wieder lachen Smileys unter Beiträgen, die von Trauer erzählen. Von Angst. Von Mitgefühl. Von Wut. Von Ohnmacht.
Meine Gedanken sind bei der Familie und den Angehörigen der getöteten Frau. Bei den Schwerverletzten. Bei allen, die diesen Anschlag miterleben mussten.
Nicht alle werden das je verarbeiten. Manche werden Angst behalten. Manche werden Depressionen entwickeln. Manche werden nie wieder unbeschwert auf ein Fest gehen. Manche werden sich fragen, ob sie überhaupt noch sichtbar sein dürfen. Manche werden ihr Leben lang vorsichtiger sein als andere.
Dass Liebe Mut braucht, ist schlimm genug. Dass Liebe Schutz benötigt, ist untragbar.

Wer wie ich öffentlich Haltung zeigt. Wer wie ich queerfeindliche Angriffe erlebt, weil ein Regenbogen auf der Kleidung genügt. Wer gefärbte Haare trägt. Wer irgendwie aus der Reihe tanzt. Fällt auf. Noch viel schlimmer trifft es diejenigen, die nichts "ablegen" können. Die keinen Regenbogen ausziehen. Die ihre Identität nicht unter einer Mütze verstecken können. Weil sie einfach sie selbst sind. Und genau dafür werden sie angegriffen.
Wir sind in Gefahr.
Das waren wir schon immer.
Patriarchat. Menschenfeindlichkeit. Ausgrenzung. Klassismus. Kapitalismus. Rassismus. Antisemitismus. Queerfeindlichkeit. Sie alle erzählen dieselbe Geschichte.
Ob uns fanatische Islamisten töten oder fanatische Faschisten - Menschenhass kennt viele Fahnen und viele Symbole. Seine Sprache ist jedoch immer dieselbe.
Heute kommt noch etwas hinzu:
Eine digitale Welt, in der Desinformation, Verschwörungserzählungen und permanentes Aufhetzen aus Menschen einen Mob wachsen lassen, der nur noch ein Feindbild sucht.
Ich wiederhole mich seit Jahren.
Was wir brauchen, ist Bildung.
Demokratische Bildung.
Politische Bildung.
Kulturelle Bildung.
Vor allem aber Bildung für alle. Denn Ungerechtigkeit ist der Nährboden, auf dem Extremismus wächst. Wo Menschen keine Perspektiven sehen, suchen sie Schuldige. Demokratie beginnt nicht erst an der Wahlurne.
Sie beginnt in der Kita.
In der Schule.
Im Jugendzentrum.
Im Theater.
Im Museum.
Im Sportverein.
In der Bibliothek.
Sie beginnt überall dort, wo Menschen lernen, dass Vielfalt keine Bedrohung ist.
Gerade deshalb dürfen Projekte für Demokratie, Vielfalt und politische Bildung nicht geschwächt werden. Gerade jetzt brauchen sie Verlässlichkeit statt Kürzungen, Unterstützung statt Misstrauen.
Queere Zentren brauchen Schutz.
Nicht irgendwann.
Jetzt.
Nicht weniger Sichtbarkeit.
Mehr.
Nicht weniger Kultur.
Mehr.
Nicht weniger Solidarität.
Mehr.

Die Spaltung verläuft längst nicht eindimensional.
Sie verläuft multipel.
Sie verläuft durch Familien.
Durch Freundeskreise.
Durch Parteien.
Durch Communitys.
Vielfach durch unsere Gesellschaft.
Umso wichtiger ist es, Orte zu stärken, die Menschen zusammenbringen.
Queere Zentren. Kirchen, die Haltung zeigen. Jüdische Gemeinden. Offene Moscheegemeinden. Kulturvereine. Theater. Kunst. Demokratie lebt nicht von Sonntagsreden. Sie lebt davon, dass Menschen füreinander einstehen. Ich habe gestern im Radio gehört, queere Menschen seien besonders resilient.
Ich wünschte, ich wüsste gar nicht, was Resilienz bedeutet. Ich wünschte, wir wären einfach die glücklichsten Menschen. Oder die freiesten. Nicht diejenigen, die ihr ganzes Leben lernen mussten, sich gegen Hass und Gewalt zu behaupten.
Ich bin gegen Gewalt.
Immer. Ich glaube an Demokratie. An Menschlichkeit. Aber ich glaube nicht mehr daran, dass wir ausreichend geschützt sind. Das waren wir nie. Das sind wir nicht.
Wer heute schweigt oder lacht, weil der Hass vermeintlich nur andere trifft, wird morgen feststellen, dass Menschenhass niemals bei seinen ersten Opfern stehen bleibt. Fanatismus und Faschismus braucht immer Feindbilder. Deshalb müssen wir ihn bekämpfen.
Konsequent.
Demokratisch.
Gemeinsam.
Nicht irgendwann.
Jetzt.
Und deshalb:
Bildet Banden.
Passt aufeinander auf.
Geht gemeinsam nach Hause.
Lernt Erste Hilfe.
Lernt Zivilcourage.
Trainiert euren Körper.
Trainiert euren Kopf.
Lernt Selbstverteidigung.
Widersprecht.
Mischt euch ein.
Schützt diejenigen, die alleine stehen.
Schützt diejenigen, die sich nicht wehren können.
Schützt uns.
Zeigt Queerfeindlichkeit an.
Macht Menschenhass sichtbar.
Nicht aus Rache.
Sondern aus Verantwortung.

Ich weiche keinen Schritt mehr zurück.
Nicht aus Wut.
Nicht aus Trotz.
Sondern aus Liebe.
Liebe zu den Menschen.
Liebe zur Demokratie.
Liebe zu unserer Freiheit.
Keinen Schritt.
IN EIGENER SACHE:
DEIN SUPPORT HILFT!
Kunst braucht Unterstützung Wenn du meine Arbeit schätzt und es dir möglich ist, kannst du mich unterstützen. Damit hilfst du mir, die laufenden Kosten und das kreative Risiko als freischaffender Künstler abzufedern – und trägst dazu bei, dass ich weiterhin mit offenem Blick und künstlerischer Haltung auf unsere Welt und unsere Stadt schauen und davon erzählen kann. JETZT SPENDEN vielen lieben Dank Alle Unterstützer*innen, ab 30 Euro oder mehr, erhalten meine limitierte Jahresgabe – liebevoll verpackt per Post oder persönlich von mir überreicht. Und werden als Supporter*in auf meiner Website – als Teil jener, die Kunst möglich machen - erwähnt.
Du kannst mich auch unterstützen: MIT EINER GOOGLE BEWERTUNG UM GESEHEN ZU WERDEN: LASS BITTE EINE BEWERTUNG DA 27 GOOGLE BEWERTUNGEN
4,9 * * * * *
Ausgewählte Arbeiten in meinem OnlineShop
Kunst kaufen ist immer die beste Unterstützung.























































































































































































































































































































Kommentare