BITTE REPARIEREN
- Alexander Kästel

- vor 3 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Vor einem beschmierten Snackautomaten zu stehen, klingt zunächst wenig inspirierend. Ein banaler Ort. Ein Ort des schnellen Zuckers, der kurzen Entscheidung, der beiläufigen und kurzweiligen Bedürfnisbefriedigung. Doch manchmal werden gerade diese Nicht-Orte zu Spiegeln meiner Gegenwart.

Hier sieht man den Automaten kaum. Der Inhalt verschwimmt in ein diffuses Bunt – Schokoriegel, salzige Snacks, irgendein industrielles Versprechen von Lust. All das tritt jedoch in den Hintergrund, überlagert von einer Botschaft, die grob und unübersehbar auf die Plexiglasscheibe geschmiert wurde: „BITTE REPARIEREN.“ Geschrieben mit schwarzem Edding, kratzig, wütend, erschöpft. Ein Hilferuf? Ein Akt des Vandalismus? Ein Aufschrei: Ergänzt um etliche Ausrufezeichen. Oder überraschend zärtlich: eine höfliche Bitte, trotz des Schreis, der darin steckt.
Diese zwei Worte wirken wie ein Kommentar zu etwas viel Größerem als einem defekten Automaten. Sie sprechen von Resignation – und doch zugleich von Hoffnung. Denn wer um Reparatur bittet, hat den Glauben daran noch nicht verloren.
Der Automat ist hier nur ein Stellvertreter. Für Systeme, die quietschen. Für Beziehungen, die knarren. Für demokratische Prozesse, die manchmal aussehen, als verharrten sie im Dauerruckeln. Für all jene unsichtbaren Strukturen, von denen wir erwarten, dass sie funktionieren – und deren Ausfall uns erst dann bewusstwird, wenn wir davorstehen, frustriert, fordernd, mit Münzen oder schlimmer, mit Fackeln in der Hand.
Was wäre, wenn wir gesellschaftlich genauso handeln würden wie diese Person? Wenn wir mutig, deutlich und zugleich höflich hinschreiben würden: Etwas stimmt nicht. Bitte reparieren. Tun wir das nicht bereits? Ja – und doch fühlt es sich oft so an, als stünden wir hinter einer verkratzen Plexiglasscheibe, die uns von der Lösung trennt.
Der Automat soll Umsatz machen; wenn’s ums Geld geht, wird vielleicht repariert. In der Demokratie aber geht es nicht um Rendite, sondern um etwas viel Stilleres, Anstrengenderes: den langfristigen Ertrag eines gepflegten Gartens.
Demokratische Gewinne fühlen sich selten spektakulär an. Sie sind nicht der neueste elektrische Bling-Bling-Gegenstand, den wir niemals brauchten. Sie sind wie eine Saat, die man im Frühjahr legt, in der Hoffnung, dass sie den heißen Sommer übersteht – und dass sich der Herbst irgendwann erkenntlich zeigt. Und selbst dann bleibt die Ernte unvorhersehbar.
Reparieren bedeutet Arbeit. Zuvor aber bedeutet es Erkenntnis. Den Mut, zu sagen: Hier stimmt etwas nicht. Aufzustehen. Gesicht zu zeigen. Die Geduld, den Prozess auszuhalten. Und das Vertrauen, dass es sich lohnt, nicht wegzusehen. Denn wenn wir nicht reparieren, was uns wichtig ist, dann ist längst etwas anderes kaputtgegangen: wir selbst.
IN EIGENER SACHE:
DEIN SUPPORT HILFT DEINE SPENDE WIRKT!

Kunst braucht Unterstützung Wenn du meine Arbeit schätzt und es dir möglich ist, kannst du mich mit einer kleinen Spende unterstützen. Damit hilfst du mir, die laufenden Kosten und das kreative Risiko als freischaffender Künstler etwas abzufedern – und trägst dazu bei, dass ich weiterhin mit offenem Blick und künstlerischer Haltung auf unsere Welt schauen und davon erzählen kann. JETZT SPENDEN vielen lieben Dank Als kleines Dankeschön: Alle Unterstützer*innen, die 30 Euro oder mehr geben, erhalten meine limitierte Jahresgabe – liebevoll verpackt per Post oder persönlich von mir überreicht. Und wenn du magst, nenne ich dich gern als Supporter*in auf meiner Website – als Teil jener, die Kunst möglich machen.
Du kannst mich auch anders unterstützen: MIT EINER GOOGLE BEWERTUNG UM GESEHEN ZU WERDEN: LASS BITTE EINE BEWERTUNG DA GOOGLE BEWERTUNGEN 16
REZENSIONEN 12
5,0 * * * * * bei 16 Bewertungen
NEU
Ausgewählte Arbeiten in meinem OnlineShop
Viel Freude beim stöbern.


Kommentare