PARIS, EIN TAG. DREI BILDER.
- Alexander Kästel

- vor 10 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Paris, die Stadt der Liebe, sagen sie. Die Stadt der Kunst, der großen Bauwerke, der Croissants, die dort immer besser schmecken als irgendwo sonst auf der Welt. Doch an diesem Tag, meinem eintägigen Abstecher in diese vibrierende, wunderschöne, widersprüchliche Stadt, blieb mir vor allem eines: die Street. Und die Art, auf ihr zu leben.
Drei Aufnahmen, die von einer anderen Wahrheit erzählen.
Am Gare de l’Est, eine Brücke, die wie dunkle Rippen in den Morgen führen, alles verschwommen, wie ein Augenlid, das sich noch nicht traut, die Welt zu sehen. Ein Zeltlager unter einer anderen Brücke, dicht an dicht, eine improvisierte Stadt in der Stadt. Grau, nass, unbeachtet. Paris ohne Filter. Und dann ein einzelnes Zelt an der Seine, gegenüber vom Louvre, ein kleines, pinkes, ein schlagendes Herz in einem Dunkel aus Tunnel, Kälte und Stein. Ein Fleck Menschlichkeit, ein Licht am Ende des Tunnels, das gegen die Dunkelheit anleuchtet.



Ich habe viel gesehen in meinem Leben, dank meiner Eltern mehr Länder betreten, als ich mir das je wünschte. Auch Paris war mir nicht neu. Doch dieses Mal war da etwas zu viel von dem, das sich mir unmittelbar aufdrängte. Etwas, das sich nicht mehr verstecken ließ. Überall Zelte. Überall Leben im Ausnahmezustand. In jeder Ecke, jedem Zwischenraum, jeder Nische, die der Wind und Regen nicht sofort wieder wegreißt. Wo ein Zelt stehen konnte, standen fünf. Manche farbig, trotzig, aber die meisten grau, angepasst an den Lebensraum, der ihnen geblieben ist.
Dem gegenüber: Hotspots, die in einer Woche millionenfach in Telefone gestopft werden. Als wäre das Zeigen eines Fotos von sich selbst der Beweis dafür, dass man existiert. Ein Verhungern am Überfluss, ohne es zu merken, millionenfach, ohne wahrzunehmen, dass Menschen an etwas ganz anderem verhungern.
Ich frage mich zunehmend: Was macht meine Aufnahmen anders? Wenn alle nur noch sich selbst festhalten. Wenn Kultur zur Kulisse wird. Wenn das Sehen nur noch funktioniert, um sich selbst darin zu verorten. Wenn niemand mehr hinschaut, sondern nur noch checkt, wie gut die Aufnahme bei den Follower*innen ankommt. Wenn große Bauwerke dieser Welt zu Requisiten einer niemals endenden Selbstinszenierung verkommen.
In solchen Momenten möchte ich die Kamera eigentlich beiseitelegen. Möchte mich wieder annähern an eine Welt, die nicht für Likes lebt, sondern für alle, die darin leben müssen, ohne ständig gefeedbackt bekommen zu müssen, wie toll sie doch sind, weil sie sich dies und das gönnen. Und gleichzeitig merke ich, dass die Kamera mein mir angewachsenes Werkzeug ist, mich nicht zurückzuziehen, sondern immer wieder zu widersprechen.
Ja, ich entziehe mich dieser Welt. Stück für Stück. Leise, aber ich tue es mit offenen Augen. Mit meinem Herzen und mit meiner Kamera, die nicht festhält, was alle kennen, sondern das zeigt, was wir vergessen haben zu sehen.
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