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DREI VERNISSAGEN. VIER ORTE. WAS FÜR EIN FEST.

Autorenbild: Alexander  Kästel
Alexander Kästel
vor 18 Stunden
4 Min. Lesezeit

Ein außergewöhnlicher Nachmittag beim Künstlerbund Rhein-Neckar e.V.

 

Am Sonntag, dem 25. Oktober 2026, feierte der Künstlerbund Rhein-Neckar e. V. sein Mitgliederfest. Zum ersten Mal durfte ich diesen Tag als Organisator gestalten und die Ausstellung eines jungen Künstlers kuratieren.

 

Vor allem aber wollte ich etwas verändern: das Mitgliederfest öffnen. Für alle, die Lust auf Kunst haben. Auf Begegnungen. Auf Gespräche. Auf Menschen, die Kunst schaffen.

 

Und was soll ich sagen?

Es wurde ein wunderbarer Tag.

 

Auch das Wetter bot uns die ganze Palette: Sonnenschein, Regen, Sturm und sogar einen Regenbogen. Irgendwie passte das. Abwechslungsreich, überraschend, lebendig. Und mit erstaunlich viel Glück zwischen den Regentropfen.

 

DREI AUSSTELLUNGEN. DREI GENERATIONEN.

VIER LOCATIONS. VIELE BEGEGNUNGEN.

 

Unser Auftakt fand im guckkasten bei Marek Walczak statt. Die wunderbaren Druckgrafiken von Monika Klein markierten den Start eines Nachmittags, der ganz im Zeichen der Kunst und der Begegnungen stand.

Zwei Frauen unterhalten sich lächelnd in einer hellen Galerie mit abstraktem Bild an der Wand.
Monika Klein im Kunstraum guckkasten, L14,3 Mannheim

Marek führte uns mit seiner unverwechselbaren Art durch die erste und später auch durch die beiden folgenden Vernissagen. Drei Eröffnungen an einem Nachmittag. Eine beachtliche Leistung, die er meisterlich bewältigte.

 

Anschließend ging es weiter ins Atelier von Fritz Stier zur Ausstellung des jungen Künstlers YINPIR, die ich gemeinsam mit Marek kuratieren und aufbauen durfte.

 

FRAGIL. ZERBRECHLICH. SCHÜTZENSWERT.

Mann spricht zu einer Gruppe in heller Galerie; vorne liegt in Luftpolsterfolie YINPIR, der Künstler selbst.
Marek Walczak (rechts im Bild) eröffnet die Ausstellung von YINPIR (auf dem Tisch)

 

Mitten im Atelier lag auf einem Tisch eine menschliche Gestalt, vollständig in Luftpolsterfolie eingewickelt. Nur die Füße schauten heraus. Eine lange Folienbahn spannte sich quer durch den Raum. An ihrem anderen Ende bewegte sich eine junge Performerin durch das Publikum.

 

Was auf dem Tisch lag, wirkte zunächst wie eine Skulptur. Ein menschlicher Körper, scheinbar geschützt und zugleich seiner Bewegungsfreiheit beraubt.

 

Luftpolsterfolie soll Zerbrechliches bewahren. Hier wurde sie gleichzeitig zur Fessel. Und irgendwann stellte sich die Frage: Wo ist eigentlich der Künstler? Da begann es auf dem Tisch zu rascheln.


Mit Unterstützung der Performerin und von Marek, der kurzerhand selbst auf den Tisch kletterte, wurde die Folie in einem Akt der Befreiung geöffnet.

 

Zum Vorschein kam YINPIR.

Die vermeintliche Skulptur war der Künstler selbst.

Applaus. Begeisterung. Überraschung.

 

Mich beeindruckte, wie selbstverständlich YINPIR seinen eigenen Körper zum Bestandteil seiner Kunst machte. Er war zugleich Material, Verletzlichkeit und Befreiung.

 

Wann wird Schutz zur Einschränkung? Wann wird ein Mensch zum Objekt? Die Performance ließ diese Fragen im Raum stehen. Auch das ausgestellte Werk „EMPATHY BURNOUT“ eröffnete dazu einen spannenden gedanklichen Zusammenhang.

 

Vor allem aber begeisterte mich die Offenheit des Publikums gegenüber dieser jungen künstlerischen Position. Hier stand kein Künstler mit jahrzehntelanger Ausstellungserfahrung, sondern jemand, dessen Weg gerade erst beginnt und der dennoch den Raum mit einer bemerkenswerten Präsenz erfüllte.

 

KUNST BRAUCHT KEIN ALTER.

SONDERN DEN MUT, ETWAS ZU WAGEN.

 

GEOMETRIEN,

FARBEN UND ZWEIMAL APPLAUS.

Die dritte Vernissage führte uns gleich nebenan in das Atelier von Gerd Lind.


Älterer Mann mit Hut und Brille, Gerd Lind, zeigt in seinem Atelier auf etwas, umgeben von Zuhörern.
Gerd Lind in seinem Atelier

 

Seine unverkennbare Bildsprache aus Geometrien, Rechtecken, Farben und Wiederholungen bildete einen spannenden Kontrast zum zuvor Erlebten. Nach Mareks dritter Einführung ergriff Gerd selbst das Wort und erzählte leidenschaftlich von seiner Arbeitsweise, seinen Techniken und seinem Leben.

 

Nach dem ersten Applaus sprach er einfach weiter.

Und bekam einen zweiten.

Ich fand das großartig.

 

EIN BISSCHEN SOHO.

EIN BISSCHEN NEW YORK.

MITTEN IN MANNHEIM.

Zum Abschluss wechselten wir noch einmal die Bühne.

 

Bei Chicks & Dogs erwartete uns Streetfood statt klassischem Sektempfang. Fingerfood mit Handschuhen, ungezwungene Gespräche und neue Begegnungen.

Älterer Mann mit grauem Bart sitzt lächelnd am Tisch in warm beleuchtetem Restaurant neben einer Frau.
Vorsitzender & Künstler Tom Feritsch im Chicks & Dogs, L14,6 Mannheim

 

Einige Gäste erzählten mir, sie wären normalerweise nie auf die Idee gekommen, dieses Lokal zu besuchen. Nun hatte es ihnen gefallen, geschmeckt und manche möchten wiederkommen.

 

Genau solche Momente hatte ich mir gewünscht.

Kunst verbindet Menschen. Sie kann uns aus Gewohnheiten herausholen, neue Räume öffnen und Begegnungen ermöglichen, die sonst vielleicht nie stattgefunden hätten.

 

Besonders gefreut habe ich mich über den privaten Besuch unseres Kulturbürgermeisters Thorsten Riehle. Dass er sich Zeit für unser Fest genommen hat, bedeutet mir persönlich viel.

Bei einer Kunstausstellung schaut eine Menschenmenge auf abstrakte Porträts an weißen Wänden. Warmes Licht, ruhige Stimmung. Mittendrin Thorsten Riehle privat als Besucher der Ausstellung.
Thorsten Riehle

 

Gleichzeitig wurde deutlich, wie schwer es Menschen in öffentlichen Ämtern manchmal fällt, einfach nur Gast zu sein. Fast schien es, als würde ihn die Aufmerksamkeit wie eine zweite Luftpolsterfolie einwickeln. Mit einem Schmunzeln gesagt, aber ein paar ungestörte Minuten mehr hätte ich ihm durchaus gegönnt.

 

Überhaupt war es ein Fest der Begegnungen: junge und ältere Künstlerinnen, Mitglieder und Nichtmitglieder, lange nicht gesehene Freundinnen und neue Bekanntschaften. Menschen, die gemeinsam Kunst betrachteten, diskutierten und lachten, miteinander aßen und tranken und den Tag genossen.

DANN WAR NOCH LANGE NICHT SCHLUSS.

Aus dem straffen Nachmittagsprogramm wurde ein langer Abend. Im guckkasten, bei Chicks & Dogs und in den Ateliers wurde weitergeredet.

 

Ich selbst saß schließlich noch mit YINPIR, Fritz Stier, Sonja Scherer und Kurt-Adam Arnold in einem wunderbaren Gespräch zusammen. Gegen 23 Uhr machte ich die letzten Lichter aus.

 

Müde. Glücklich.

Und ziemlich zufrieden.

 

Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Darüber freue ich mich sehr. Aber genauso willkommen sind mir Kritik und Anregungen. Denn wer etwas Neues wagt, sollte auch bereit sein, dazuzulernen.

 

Mein Dank gilt allen beteiligten Künstler*innen, den Gastgeber*innen, Marek Walczak für seine drei großartigen Eröffnungen und allen Menschen, die diesen Tag mit ihrer Neugier und Offenheit bereichert haben.

 

Für mich steht fest:

Das machen wir wieder.

 

Im nächsten Jahr gerne mit noch mehr jungen künstlerischen Positionen, noch mehr Begegnungen und noch mehr Raum für das Unerwartete.

 

Denn genau davon lebt Kunst.

Und davon lebt auch unser Künstlerbund. Zu den Webseiten von:

 



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Alexander Kästel arbeite u.a. mit FUJIFILM GFX100II, Hasselblad X2D und Canon R5 und Infrarotkameras, er ist CPS Platinmitglied, sowie im Vorstand des Künstlerbund Rhein-Neckar e.V.

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Seine Pronomen: er/ihn

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